Operation: #H.A.S.H.T.A.G.

Operation: #H.A.S.H.T.A.G.

Vor einigen Jahren hat die Bundeswehr eine neue Marschrichtung eingeschlagen – In Richtung Egalisierung. Damit ist die Gleichstellung der uniformierten Bevölkerung mit der zivilen Bevölkerung gemeint. Auf dem Weg dorthin eröffnete sich ein Nebenkriegsschauplatz, die Digitalisierung. Um für diesen Kampf gewappnet zu sein, stand die Bundeswehr vor der Herausforderung, sich vom Staub der an Papier gebundenen Bürokratie zu befreien, und der Digitalisierung Einzug zu gewähren. Und dann entdeckte die Bundeswehr Social Media für sich...

Dieser Blogpost ist Teil der #PKNM10 Blogparade: https://isabellgru.eu/index.php/2019/11/22/pknm10-blogparade-soziale-netzwerke-blogging-und-hr/

Der Wegfall der Wehrpflicht – Die Büchse der Pandora

Mit dem Wegfall der Wehrpflicht fehlt mit den Wehrpflichtigen ein wichtiges Bindeglied zur deutschen Gesamtbevölkerung. Die Zeiten, in denen mindestens ein/e Freund/in aus dem Bekanntenkreis seine/n Wehrdienst verrichtet und abends beim gemeinsamen Umtrunk von seinen Erfahrungen mit dem Militär berichtet, sind vorbei. Des weiteren führte der Wegfall der Wehrpflicht zu einem riesigen Fachkräftemangel innerhalb der Bundeswehr. Denn unfreiwillig Verpflichtete, welche sich im Anschluss ihrer Wehrpflicht freiwillig weiterverpflichten, gibt es nicht mehr. Gleichzeitig machen New Media und die damit verbundene mediale Berichterstattung es dem Militär schwer, als „geheim“ oder „Verschlusssache“ eingestufte Angelegenheiten auch tatsächlich geheim und verschlossen zu halten.

Und dann sind da noch die übrigen Soldaten (weiblich wie männlich und divers), die Zeitsoldaten, Berufssoldaten und die freiwilligen Wehrdienstleistenden, welche von der zivilen Bevölkerung integriert, akzeptiert und wahrgenommen werden möchten, und welche, das muss an dieser Stelle gesagt werden, Anerkennung für ihren geleisteten Dienst für den Staat verdienen, anstatt sich Hetzen aussetzen zu müssen. Die Soldaten, die sich wünschen, dass man mehr in ihnen sieht als „Killer“. Denn die Soldaten und Soldatinnen sind Ärzte, Manager, Handwerker, Techniker, Verwaltungsfachangestellte, Kaufleute, Logistiker, Berufskraftfahrer und so vieles mehr. Kein Arbeitgeber in Deutschland, ist facettenreicher als die Bundeswehr.

Gute Gründe für eine Offensive

Letztendlich führten, unter anderem, diese Argumente zu einer großen Social-Media-Offensive der Bundeswehr, einhergehen mit einer gewaltigen multimedialen Werbekampagne. Die Bundeswehr hat begonnen, sich zu entstauben.

In kürzester Zeit wurden Blogs, Podcasts, YouTube-Channels, Twitter, Facebook, Instagram, Communities, Online-Karrierezentren, Werbespots und dazugehörige Dienststellen aus dem Boden gestampft.

„Die Rekrutinnen“ zeigen auf dem YouTube-Channel „Bundeswehr Exclusive“ potentiellen Bewerbern den militärischen Alltag während der Grundausbildung und dienen zur Belustigung der aktiven Soldaten und Angestellten.

https://www.youtube.com/channel/UCZPAni75bkLnjGO8yhuJpdw

Auf dem Podcast „Funkkreis“ wird erklärt, weshalb Bahnfahrer von nun an verhäuft damit rechnen müssen, dass sie Uniformierte neben sich im Zugabteil sitzen haben, da die deutschen Soldaten von nun an kostenlos mit der Bahn fahren dürfen. 

https://www.bundeswehr.de/de/aktuelles/mediathek/funkkreis-podcast-bundeswehr-5-166302

Selbst der Generalinspekteur der Bundeswehr twittert fleißig und veröffentlicht Videos von seinen „Überraschungsbesuchen“.

Auch intern tat sich einiges in der Bundeswehr. So erprobt man derzeit das dienstlich gelieferte „Stashcat“, das Pendant zu WhatApp, welches über Bundeswehrserver läuft und somit gegen Eingriffe von außen geschützt ist. Man hat Unmengen an Wikis, Portalen und Foren aus dem digitalen Boden gestampft und den Soldaten und Angestellten zugängig gemacht. An dieser Stelle kann ich leider keine Links zur Verfügung stellen, da diese Social Media ausschließlich über das Intranet der Bundeswehr zugänglich sind.

Feuer frei für Social Media! – Influencer gesucht (m/w/d)

Die Kommunikation über soziale Netzwerke und Blogs ist für das MilitäHR von großer Bedeutung. Sowohl für die Personalgewinnung, als auch für die Personalentwicklung, für das Kultur-Management, der Förderung der beruflichen Entwicklung und Weiterbildung, dem Diversity-Management und zu guter letzt der Bereitstellung von Vorschriften, Richtlinien, Befehlen und Anweisungen.

Die Bedeutung für die Personalgewinnung liegt auf der Hand: Nie war es einfacher eine breite Masse an potentiellen Bewerbern zu erreichen wie über soziale Netzwerke. Aber nicht nur durch gezielte Rekrutierungskampagnen, sondern auch durch Online-Beratung. So kann man auf www.bundeswehrkarriere.de mit einem Karriereberater chatten und sich über eine Karriere beim Militär informieren. Zudem steht dort eine riesige Jobbörse für sämtliche freien Stellen im Bereich des Bundesministeriums für Verteidigung bereit. Mittlerweile sucht die Bundeswehr sogar aktiv Influencer aus den eigenen Reihen, um die mediale Außenwirkung nochmals zu verstärken.

Die Online-Beratung dient jedoch auch der Personalentwicklung. So können auch aktive Soldaten und Angestellte dort Kontakt zum Karriereberater aufnehmen, und sich über eine weiterführende Karriere beraten lassen. Des weiteren wird die Personalentwicklung durch die Kommnuikation über Expertenforen, Wissensportalen und Content-Management-Systemen gefördert. So ist es beispielsweise der Bundeswehr gelungen, das „BwWiki“ ins Leben zu rufen, ein fachbezogenes Wiki welches über das Intranet erreichbar ist. Dieses Wiki wird von Soldaten genutzt und gestaltet. Diese Tools erlauben eine Förderung der beruflichen Entwicklung und Weiterbildung… Vorausgesetzt ein gesundes Maß an Eigeninitiative. Auch Web-Based-Trainings (WBT) weist die Bundeswehr vor… Allerdings gibt es in diesem Bereich deutlichen Nachholbedarf. Kultur- und Diversity-Management findet in all diesen Bereichen des Social Media begleitend statt. Denn hier stoßen Soldaten und Angestellte aus allen Gender, Religionen, Dienstgradgruppen, Uniformträgerbereichen, Fachbereichen, Einheiten, Teilstreitkräften und Herkunftsländern aufeinander.

Informations-Mangement-Systeme, Datenqualitätsmanagement-Systeme, Fachinformationsportale, WISE-Portale und Vorschriftensammlungen decken im HR den Teil der Bereitstellung von Vorschriften etc. ab. Auf diesen Punkt gehe ich im weiteren Verlauf noch intensiver ein.

All diese Innovationen, lassen jedoch eine große Frage unbeantwortet:

Wieviel Social Media verträgt die Bundeswehr?

Wie sich die Medienoffensive auf die Personalgewinnung ausgewirkt hat, kann der derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden. Bezüglich der Personalentwicklung möchte ich an dieser Stelle meine eigene Ansicht kommunizieren:

Ein adäquates Change-Management blieb aus. So wurden die entsprechenden Tools den Soldaten frei nach dem Motto „Friss oder stirb!“ vorgesetzt und sich selbst überlassen. Die Informations-Mangement-Systeme, Datenqualitätsmanagement-Systeme, Fachinformationsportale, WISE-Portale und Vorschriftensammlungen platzen aus allen Nähten und verursachen eine Überflutung von Informationen. Das gezielte Abrufen von Informationen wird zum Spießrutenlauf. Zudem geriet die Überwachung der Inhalte völlig außer Kontrolle, so dass teilweise die gleichen Dokumente mit unterschiedlicher Aktualität auf unterschiedlichen Plattformen zu finden sind. Das Problem wurde erkannt, auf den Punkt gebracht und nun kämpfen Expertengruppen dagegen an – ich selbst bin Teil einer solchen Gruppe. Hier versucht man akribisch die Plattformen zusammenzufassen, zu reduzieren und entsprechende Such- und Filterfunktionen bereitzustellen. Denn die Tatsache der Reizüberflutung führte massiv dazu, dass sich Soldaten und Angestellten davon abwandten und begannen wieder Ordner anzulegen und Papiere schwarz zu machen. Hier entsteht jedoch eine große Fehlerquelle, da die Überwachung der Aktualität nun wieder beim Halter liegt.

In den Regalen verstauben tausende von beschafften mobilen Devices, weil es an sicheren WLAN scheitert. Die Soldaten schütteln mit den Köpfen, wenn sie sich „Die Rekrutinnen“ auf YouTube ansehen, weil sie sich verspottet fühlen. Auch die provokanten Plakate vermitteln das Gefühl, wieder auf etwas reduziert zu werden, wobei doch das Gegenteil erreicht werden sollte. Als Beispiel nenne ich hier den Werbeslogan „Gas, Wasser, Schießen! Handwerker (m/w/d) gesucht.“

Die einen fühlen sich im Bereich Social Media nicht abgeholt, die anderen lehnen es einfach ab, wiederum andere, jedoch nur ein kleiner Anteil, nutzen diese sehr aktiv. Chatfenster mit Anfragen zum gemeinsamen Mittagessen ploppen während eines wichtigen Briefings auf dem Beamer auf, und das private Handy wird auf stumm geschaltet, weil Stashcat auch nach dem Dienstschluss fleißig Nachrichten anzeigt. Die eingestellten News-Feeds lassen einen beim morgentlichen Öffnen des E-Mailpostfaches einen Schauer über den Rücken laufen, weil unzählige Meldungen zu uninteressanten Beiträgen eingetroffen sind.

All dies lässt darauf schließen, dass die Bundeswehr eine Überdosis Social Media zu sich genommen hat.

Es muss an dieser Stelle jedoch auch erwähnt werden, dass sich seit der Erschließung von Social Media deutliche Verbesserungen ergeben haben. Vor allem hat es die Kommunikation positiv verbessert. Soldaten können Kontakte untereinander pflegen, sich vernetzen und auch der Kontakt zu übergeordneten Dienststellen fällt wesentlich leichter. Die neuste Einrichtung im Intranet ist eine Soldaten-Reservisten-Community, in welcher diese einen Erfahrungsaustausch betreiben können. Auch brachte Social Media ein hohes Maß an Selbstverwaltung und Transparenz mit sich. Zudem halte ich den Schritt in die sozialen Medien als einen wichtigen Schritte für die Bundeswehr in Hinblick auf dessen allgemeine Entwicklung. Denn wenn die Bundeswehr zukünftig als moderner Arbeitgeber im Vergleich zu Unternehmen wie Airbus, Amazon und der Deutschen Bahn mithalten möchte, sind Social Media in Hinsicht auf das Human-Ressource-Management unerlässlich.

Abschließend treffe ich hier folgende Aussage:

Social Media ist Fluch und Segen zugleich!

Meine Rolle als Staubfeldwedel

Ich bin selbst aktiver Soldat und bewege mich, auch dienstlich, täglich im Bereich Social Media. In meinem Dienstalltag sind diese mittlerweile fester Bestandteil meiner Arbeit. Ich habe eine führende Position als Teil eines Expertenteams im Bereich SAP (SASPF – Standardanwedungssoftware Produktfamilie) inne. Im Bereich der Personalführung nutze ich die Messenger der Bundeswehr, Stashcat und Sametime, sowie eine WhatsApp-Gruppe für kurzfristigen Informationsaustausch wie spontane Außendiensteinsätze oder Abwesenheiten. Gleiches gilt für das Wissensmanagement innerhalb der Arbeits- und Projektgruppen in denen ich aktiv bin. Unsere Ergebnisse werden den Endusern oft in Form von Vorschriften oder Durchführungsweisungen in Wikis oder einem Content-Mangement-System bereitgestellt. Ich lasse meine Expertise in diesem Blog mit einfließen. Zu meiner Schande muss ich mir selbst eingestehen, dass mir Work-Life-Balance noch nie so richtig gelingen wollte, daher habe ich mich dem Work-Life-Blending verschrieben.

Ich habe mich vor allem für diesen Blog entschieden, da es zum Thema Bundeswehr kaum Blogs gibt. Einzig und allein die diffamierenden Blogs der Gegner der Bundeswehr, auf welchen die Autoren ihren Frust auf die Politik niederschreiben, sind in den Online-Suchmaschinen auffindbar. Ein Blog kann jedoch so viel mehr sein. Ich wünsche mir, dass mein Block den Leser zum mitdenken einlädt. Es ist sehr Schade, dass die Bundeswehr noch nicht von selbst darauf gekommen ist, einen Blog derart für sich zu nutzen. So wünsche ich mir einen Blog, in dem sich Soldaten und Zivilisten austauschen können. Ein mögliches Resultat eines solchen Blogs wäre eventuell ein gewisses Maß an Verständnis, Akzeptanz und Interesse seitens der Zivilbevölkerung. Somit sehe ich vor allem im Bereich Personalgewinnung und Kultur-Management großes Potential für Blogging im Bereich Human Resources. Denn durch solche einen Blog könnten Soldaten und Angestellte ehrliche und ungefilterte Eindrücke erwecken.

Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden:

Und jetzt seid ihr gefragt!

Was haltet ihr von der Social-Media-Offensive der Bundeswehr? Peinlich oder genial? Wie wirkt die Medienkampagne auf euch Zivilisten? Beeinflusst die Offensive eure Einstellung und Haltung gegenüber der Bundeswehr und ihren Soldaten und Angestellten?

Auf, auf, marsch, marsch! Haut in die Tasten!

Euer

Staubfeldwedel

2 Kommentare

Hallo Herr Staubfeldwebel,
ich finde ihren Blog sehr verständlich geschrieben.
Selbst ich, als außenstehende Person, ohne
Hintergrundwissen, fühle mich ein Stück weit
abgeholt.
Eine Frage bleibt noch offen:
Wo erscheint dieser Bericht, und an wen ist er gerichtet?
Ansonsten, weiter so und viel Erfolg
LG
Kornelia

Ahoi Frau Pütz,
Viele Dank für Ihr Feedback. Dieser Blog entsteht im Rahmen meines Studiums und ist ein Bestandteil der #PKNM10Blogparade.
Der URL des Blogs bleibt bestehen und der Blog wird weiter wachsen. Er richtet sich an alle Leser mit Interesse an Human Ressources,
aber auch an jene, welche ehrliche Informationen über HR in unserem Militär erhalten möchten. Geplant ist es auch, dass dieser Blog eine Art Hilfestellung wird, für diejenigen,
welche Probleme im Umgang mit den durch die Bundeswehr zur Verfügung gestellten Social Medias haben.

Liebe Grüße

Der Staubfeldwedel

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